Hallo Jens, am Freitag steht das letzte Saisonspiel gegen 07 auf dem Programm, welches gleichzeitig auch dein letztes Spiel nach 5 Jahren als TSV-Trainer ist. Wie bereitet man sich auf so ein Spiel vor ? Ganz normal oder ist es dann doch etwas Besonderes ?

Hallo. Die Vorbereitung auf dieses Spiel ist ganz normal. Sportlich gesehen wollen wir natürlich nochmal ein gutes Spiel abliefern und 3 Punkte holen. Wir wollen mit einem positiven Erlebnis in die anstehende Sommerpause gehen. Unser heutiger Gegner befindet sich noch im Kampf um den Klassenerhalt – folglich haben wir auch gegenüber den anderen Teams die Verpflichtung uns rein zu hängen. Für mich persönlich ist es ein besonderes Spiel, keine Frage. Vorbereiten kann ich mich darauf aber nicht, weil ich nicht weiß, wie mein Gefühlszustand sein wird.

Meister wurde diese Saison Salamander Kornwestheim, Pokalsieger (und damit Nachfolger des TSV) wurde Croatia Bietigheim. Was ist deine Einschätzung zur abgelaufenen Saison generell und was hälst du von unserer Runde ?

In dieser Saison war die Liga sehr ausgeglichen besetzt. Dies zeigt sich, dass bis zuletzt mehr als die halbe Liga noch Punkte für den Klassenerhalt benötigt hat bzw. aktuell noch benötigt. Das Gesamtniveau fühlte sich in dieser Saison allerdings nicht so stark an. Kornwestheim konnte sich aufgrund ihrer Konstanz in der Vorrunde und der Breite ihres Kaders letztlich souverän durchsetzen. Beide Topteams der Liga profitieren sicherlich von ihrer überragenden individuellen Qualität in der Offensive.
Unser Abschneiden ist in dieser Runde nicht zufriedenstellend. Dies muss ich deutlich sagen. Wir haben zu wenig Punkte und zu wenig gute Spiele abgeliefert. Knackpunkt für mich waren die 3 Niederlagen vor der Winterpause und ein schwacher Start in die Rückrunde nach einer holprigen Wintervorbereitung. Und ganz klar – zu viele Unentschieden. Insgesamt hatten wir die ganze Runde über hinweg immer wieder den Ausfall (Verletzung, Krankheit, Urlaub, Arbeit, …) einzelner Spieler zu kompensieren, so dass wir nie richtig eingespielt wirkten.

Mit dem FC Marbach muss ein weiterer Traditionsklub in die A-Klasse. 07 Ludwigsburg wird es nächste Saison gar nicht mehr geben. Wie siehst du die generell die Entwicklung des Amateurfussballs ?

Losgelöst von den Traditionsklubs sehe ich auf den Amateurfussball Jahr für Jahr schwierigere Zeiten zukommen. Bei den einzelnen Klubs gibt es sicherlich individuelle Gründe, die ich im Detail nicht kenne und nicht bewerten möchte. Es ist festzustellen, dass wir im Amateurbereich immer weniger Unterstützung haben. Es gibt immer weniger Menschen, die sich aktiv im Vereinsleben einbringen und Verantwortung übernehmen. Die einzelnen die es tun, stehen dann meist noch in der Kritik. Bei den Spielern nehmen inzwischen Arbeit, Studium, Schule, Urlaub und Freizeitaktivitäten viel Zeit in Anspruch, die sie dem Fussball „abknöpfen“ – gefühlt war dies früher eher umgekehrt. Hinzu kommt, dass die Bezirke und der Verband den Vereinen einiges abverlangen. Oftmals schwierige Terminpläne, Vorschriften und Auflagen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass das Spiel nicht im Vordergrund steht.

Du hast den TSV 2014 als Aufsteiger übernommen. Wie fällt dein Fazit nach 5 Jahren aus ?

5 Jahre ist im Fussball eine lange Zeit. Gemeinsam hatten wir genau diesen Zeitraum geplant. Wir wollten den TSV in der Bezirksliga etablieren. Ich denke, dies ist uns gelungen. Wir waren 4 Jahre lang unter den ersten 5 der Tabelle, diese Saison im gesicherten Mittelfeld. Letztes Jahr sind wir Pokalsieger geworden. Für den Verein und meine Spieler ein toller Erfolg und ein schönes Erlebnis. Vor allem für viele meiner Spieler ein Herzenswunsch, den wir immer in unseren Saisonzielen verankert hatten. Gewünscht und gehofft hatte ich, dass wir in den letzten beiden Spielzeiten den Abstand (punktemäßig) zu den Topteams verringern können. Insgesamt bin ich überzeugt, dass der TSV und die Entwicklung in den letzten 5 Jahren positiv wahrgenommen wird.

Was wird (außer dem sportlichen Geschehen) dir aus deiner Zeit beim TSV am meisten hängenbleiben ?
Ganz viele Erlebnisse und Erfahrungen. Ich konnte mich in dieser Zeit menschlich und als Trainer enorm weiter entwickeln. Ich möchte rückblickend kein negatives und kein positives Erlebnis missen. Auch keine Phase, egal ob es einfach von der Hand ging oder auch mal richtig schwierig wurde.
Spieler und Vereinsverantwortliche wachsen einem in dieser langen Zeit ans Herz. Es fühlt sich für mich nicht an wie: Job erledigt, Tschüss macht`s gut. Die Entwicklung und Zukunft interessiert mich. Ich freue mich schon jetzt darauf, als Zuschauer in die Felsenbergarena zu kommen und alle liebgewonnen Menschen wieder zu sehen. Durch die intensive und langjährige Trainiertätigkeit fühle ich eine große Verbundenheit zur Mannschaft und dem Verein. Es fühlt sich irgendwie nicht an wie ein Abschied.

Zum Abschluss möchte ich mich bei allen bedanken, die mich in den letzten 5 Jahren beim TSV begleitet haben. Hervorheben möchte ich unseren Platzwart Horst Frey – wir haben uns bei fast jedem Training gesehen und oft ausgetauscht, waren zwar nicht immer einer Meinung, aber immer respektvoll gegenüber dem „Tun“ des anderen – DANKE Horst!
Natürlich meine Spieler, die ich in dieser Zeit trainieren durfte. DANKE Jungs für euren Einsatz, Leidenschaft und Engagement auf und neben dem Platz.
Mein ganzes Trainerteam in dieser Zeit. Besonders möchte ich auch Dir Murat Danke sagen, für eine langjährige verlässliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Danke Andi, dass Du kurzfristig im Herbst eingesprungen bist und Deine geplante Fußballpause verkürzt hast um mich zu unterstützen. Euch beiden alles Gute für die kommende Runde beim TSV!
Stellvertretend für die Vereinsführung – Timo Balle. In 5 Jahren hast Du  mir immer den Rücken gestärkt und nie Zweifel an meiner Trainerarbeit aufkommen lassen. 5 Jahre eine so positive Unterstützung zu erhalten und zu spüren ist außergewöhnlich und gibt einem enorm Kraft und Vertrauen – DANKE Timo !

Vielen Dank Jens und alles Gute in Rutesheim.